Wohnungsbau massiv eingebrochen – was Zürich von Basel-Stadt lernen kann

Am 14. Juni stimmt Zürich über den sogenannten Wohnschutz ab. Er soll Mieterinnen und Mieter schützen. Die Erfahrung aus Basel-Stadt zeigt jedoch: Der geforderte Mietzinsdeckel stoppt den Wohnungsbau, verhindert Sanierungen und bremst damit auch den Umweltschutz aus.

Mitten im Basler Klybeck steht ein altes Mehrfamilienhaus aus den 1920er-Jahren, wie es viele gibt. Kein Prestigeobjekt, sondern ein Zweckbau mit einfachen Wohnungen. Unauffällig, aber bewohnt und gebraucht. Nach einem Mieterwechsel wurden in einer der Wohnungen erhebliche Schäden festgestellt, die eine rasche Sanierung erfordert hätten. Doch statt Handwerker rückten Formulare und Bewilligungen an: Der Basler Wohnschutz verzögerte und verunmöglichte die nötigen Arbeiten.

Seit 2021 brauchen in Basel-Stadt Abbrüche, Umbauten und Sanierungen die Bewilligung der Wohnschutzkommission. Zudem dürfen Eigentümerinnen und Eigentümer die Kosten nur begrenzt auf die Mieten überwälzen.

Das Resultat: Die Wohnschutzkommission bewilligte nur einen so geringen Mietzinsaufschlag, dass sich die Investition rechnerisch erst nach 152 (!) Jahren amortisiert hätte – mit der Folge, dass die dringend nötige Sanierung ausblieb.

Deutlich weniger Baugesuche

Diese ausbleibende Sanierung ist kein Einzelfall. Eine Studie des Swiss Real Estate Institutes zeigt: Zwischen 2021 und 2023 gingen die Baugesuche für Wohnungen in Basel-Stadt um 76 Prozent zurück.

Während in Basel-Stadt in den Jahren 2014 bis 2020 im Mittel 784 Baugesuche eingereicht wurden, waren es in den Jahren 2021 bis 2023 noch deren 190.

Zum Vergleich: In Zürich stieg die Anzahl Baugesuche von 3’035 (2014-2020) um 20 Prozent auf 3’643 (2021-2023).

Mit anderen Worten: Der sogenannte Wohnschutz verhindert mehr Wohnraum.

Sanierungen bleiben aus

Die Folgen des starken Rückgangs bei den Baugesuchen sind in Basel-Stadt dramatisch: Die Bestandsmieter verharren in ihren Wohnungen. Für neue Mieter fehlt es an Wohnraum. Und viele Gebäude verlottern, sie bleiben ineffizient und schlecht isoliert.

Bleiben (Total-)Sanierungen bestehender Liegenschaften aus, bleiben auch Heizungsersatz und energetische Sanierungen auf der Strecke. Und das, obwohl der Gebäudesektor über einen Viertel der CO₂-Emissionen verursacht. In Basel-Stadt wird der Klimaschutz somit richtiggehend ausgebremst. Klimaneutralität bis 2037, wie es sich die Basler zum Ziel gesetzt haben, wird so nicht erreichbar.

Fazit: Aus Fehlern lernen

Die Erfahrungen aus Basel-Stadt zeigen deutlich, welche problematischen Nebenwirkungen ein Mietzinsdeckel hat: weniger Baugesuche, weniger Sanierungen, weniger Klimaschutz. Mehr Probleme.

Die Lehre daraus ist klar: Ein Mietzinsdeckel verschärft die Wohnraumknappheit, statt sie zu lösen. Zürich tut gut daran, aus den Fehlern aus Basel-Stadt zu lernen, statt sie zu wiederholen. Oder würden Sie ein Rezept verwenden, das Ihren Vorkoster krank machte?